Klose und Konsorten

Mit Google Sites Autorenschaft ermöglichen

Wie wäre es, wenn man Studierende/Schüler dazu animieren könnte von Konsumenten zu Produzenten zu werden? Wenn sie die Lerninhalte selbst in einer Form wiederholen und lernen könnten, die nicht nur Spaß macht, sondern auch andere weiterbringen könnte? Wenn sie das, was sie machen, stolz machen würde, weil es nicht einfach im Kollege-Block verschwindet, sondern jederzeit und überall abrufbar und vorzeigbar wäre?

Mit Google Sites kann man Studierende/Schüler in null-komma-nix dahin bringen, selbst eine Webseite mit Inhalten zu kreieren, entweder gemeinsam oder jeder für sich.
Google Sites ist im Grunde einfacher zu bedienen als PowerPoint, intuitiv und die Studierenden schnallen es nahezu sofort.

So einfach geht es

Noch nie mit Google Sites gearbeitet? Google selbst stellt Schritt-für-Schritt-Anleitungen mit Video Tutorials und mehr auf deren Plattform für Lehrende bereit:

Erste Schritte in Google – Grundlagen und Video Tutorials (leider sind die eigentlichen Inhalte nur auf English, aber bei den Videos kann man Untertitel hinzu schalten).

Eigene Anwendungsbeispiele

Wiederholung von Gelerntem

Zum Beispiel kann man Google Sites zur Wiederholung von Gelerntem benutzen, in dem man die Klasse gemeinsam einen Blog zum durchgenommenen Thema erstellen lässt. Hierzu kann man eine Seite erstellen, in denen man die Struktur und die Themen für die jeweiligen Artikel festlegt. Man könnte dann die Wahl der Artikel an die Studierende/Schüler geben und diese bearbeiten den jeweiligen Artikel, bzw. die jeweilige Seite entweder (je nach Klassengröße) in Gruppenarbeit oder alleine. Zuletzt habe ich eine Klasse zum Abschluss des Themas „Selbstmarketing“ bzw. Bewerbungstraining einen Blog dazu erstellen lassen. Themen die bearbeitet wurden, waren beispielsweise „Stellenanzeigen verstehen“; „Selbstmarketing, wozu?“; „Die schriftliche Bewerbung“ unterteilt in „Der Lebenslauf“, „Das Anschreiben“, „Häufige Fehler in der schriftlichen Bewerbung“; „Das Vorstellungsgespräch“.

Fiktive Seiten, um bestimmte Lerninhalte zu vermitteln

Diese Methode eignet sich z.B. im Fach Wirtschaftsenglisch gut für das Vermitteln von „Company Profiles“. So kann man den Schülern fiktive Firmen vorgeben (ich nehme fiktive Hersteller von einfach erhältlichen Produkten wie z.B. Kaffee, Schokolade, Chips, etc.).
Die Studierenden können dann je nach Sprachkompetenz und im Unterricht durchgenommen Themen die Website ausschmücken. Hat man z.B. das Thema Company Profiles durchgenommen, können die Studierenden/Schüler für „Ihre“ Firma ein Firmenprofil erstellen. Nimmt man das Thema „Job Advertisements“ durch, können Sie Stellenprofile einstellen. Nimmt man das Thema „Customer Reviews“ durch, können die Schüler Rezensionen auf der Seite schreiben, oder auf die Seite von anderen Mitschülern. Oder Sie können Werbung für „ihr“ Produkt erfinden. In diesem Fall kann die fiktive Seite für mehrere Unterrichtsinhalte verwendet werden.

Hier geht es zu einer solchen Dummy-Seite, die ich als Beispiel für das Projekt verwende.

https://sites.google.com/view/fernandescoffee/home

Bereitstellen von Material

Da die Web-Seiten mit Google Sites so einfach in der Herstellung sind, eignen sie sich auch wunderbar, um Teilnehmern zusätzliches Material an die Hand zu geben. So habe ich in der letzten Zeit häufiger für meine Seminare, Mini-Websiten mit extra Material oder Aktivitäten wie Umfragen mit Google Forms erstellt. Dies hat sich vor allem in letzter Zeit bewährt, da viele meiner Seminare Online gehalten werden mussten. So können die Teilnehmer sehr schnell auf die Ressourcen zugreifen. Hier ein Beispiel einer solchen Mini-Webseite:

https://sites.google.com/view/wsa-1/startseite

Nette Nebeneffekte

Was an diesen Projekten schön ist, ist dass die Studierenden/Schüler einiges an Medienkompetenz ganz nebenbei lernen und man für einige Themen diesbezüglich auch sehr gute Anknüpfungspunkte bekommt, weil die Themen für die Schüler relevant werden.

Die Schüler lernen:

  • Texten
    • Hier kann man eine Verknüpfung zum Handwerk des Schreibens und verschiedener Textarten schaffen. Bei mir wurden die Studierenden nach Durchsicht Ihres Klassenwerks plötzlich empfindsamer für das Thema Rechtschreibung, Grammatik- und Zeichensetzung sowie Stil. Einige merkten z.B. an, dass die Rechtschreibfehler, die sie in ihren eigenen Texten gefunden hatten, die Seite unglaubwürdig macht, andere merkten an, dass die Texte stilistisch z.B. hinsichtlich der Leseransprache gemacht werden müssten. So konnten wir die Seite noch gemeinsam verbessern und ihr den letzten Schiff verpassen.
    • Auch habe ich an das Thema „Plagiat“ anknüpfen können, und den Studierenden deutlich machen können, warum sie nicht einfach Texte von anderen Seiten übernehmen dürfen.
  • Layout
    • – Hier lässt sich auch an das Thema Bildrechte, etc. anknüpfen, aber auch an das Thema Visualisierungstechniken.
  • Zusammenarbeit
    • Da in meinem ersten Anwendungsbeispiel die ganze Klasse an einem „Blog“ arbeitet werden die Studierende/Schüler dafür empfänglich, dass die Seite zum Schluss gemeinsam überarbeitet werden muss und Änderungen vorgenommen werden müssen, um der ganzen Sache einen gemeinsamen „Look & Feel“ zu geben

Kritische Betrachtung und mögliche Lösungen

Bei aller Begeisterung gibt es auch einiges, was ich kritisch an der Verwendung von Google Sites sehe. So erfordert die Verwendung von Google Sites (wie nahezu alle Google-Anwendungen) eine Google Adresse. Eine Möglichkeit zu umgehen, dass die Studierende/Schüler sich ein Google-Konto anlegen müssen, ist sich selbst eine Vielzahl an „Dummy-Accounts“ zu machen und die Zugangsdaten an die Studierende/Schüler zu vergeben. Nach Abschluss des Projekts können die Passwörter für neue Projekte geändert und die Accounts neu vergeben werden. Das ist allerdings je nach Anzahl der Accounts recht aufwendig. Ggf. könnten die Studierende/Schüler auch Inhalte verwenden, die sie nicht verwenden dürfen, was zu rechtlichen Problemen führen könnte. Hier ist die Lösung einfach. Bei Google Sites, kann man eine Seite zum einen nur einer bestimmten Gruppe zugänglich machen, sodass sich die Studierenden einloggen müssen, um die Seite zu sehen (auch das Endprodukt). Alternativ kann man die Seite offen lassen aber unterdrücken, dass Sie in der Google-Suche gefunden wird. Dies lässt sich in den Veröffentlichungseinstellungen festlegen.

Was haltet Ihr von der Idee Google Sites mal im Unterricht einzusetzen? Oder habt Ihr es bereits schon genutzt? Wie sind Eure Erfahrungen diesbezüglich?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.