Klose und Konsorten

Vom asynchronen Lernen in der Corona-Krise

In meinem Unterrichtsblock in Englisch zum Thema „the future of work“ hatte ich ein „Corona-Special“ gemacht. Vorrangig ging es in der Unterrichtseinheit um den Aufbau von Vokabeln, um Zukunftsprognosen auf Englisch äußern und sich zu aktuellen Themen in den Medien unterhalten zu können. Die Aussagen, die meine Studierenden im Rahmen dieser Einheit machten, haben mich aber nachhaltig inspiriert. Denn nach etwas Vokabel-, Grammatik- und Textarbeit, die alle mit dem Thema verknüpft waren, wie die Corona-Situation die Wirtschaft und auch das Arbeitsverhalten ändert, sollten die Studierenden eine Einschätzung geben, wie sie ihre eigene Zukunft bewerten und inwiefern sich ihre Verhaltensweisen bereits geändert haben (zum Guten und zum Schlechten).

Hinsichtlich der eigenen Zukunft waren die meisten überwiegend optimistisch gestimmt, wenngleich einige befürchteten nach Ihrem Abschluss zunächst nicht die Wunschposition oder das Wunschgehalt zu erreichen. Hinsichtlich der Gewohnheiten gab es ebenfalls viele ähnlich gelagerte Ansichten. Nahezu alle gaben an, ihren Schlafrhythmus ihrem Biorhythmus besser angepasst zu haben. Sie schrieben, dass sie sich dadurch insgesamt besser, wacher und aufnahmefähiger fühlten. Viele schrieben, dass sie der Ansicht waren, dass sie dadurch, dass sie die Aufgaben zu ihren eigenen Zeitvorgaben lösen konnten, das Gefühl hatten besser arbeiten zu können – eine Beobachtung die sich vielleicht durch die Ergebnisse (die in der Tat überwiegend sehr gut waren) bestätigen ließe. Manche gaben an, dass sie sich sonst im Klassenraum durch andere Teilnehmer gestört fühlten und sich so besser konzentrieren könnten. Andere wiederum bemängelten, dass sie sich selbst nicht so gut strukturieren könnten und sich dann darüber ärgerten die Arbeit über den ganzen Tag verteilt zu haben, anstatt es gebündelt zu erledigen. Hier zeigen sich klar verschiedene Lerntypen und vor allem diejenigen, die sich als eher introvertiert beschrieben gaben an, von der derzeitige Phase eher zu profitieren.

Natürlich gaben auch viele an, unter dem verminderten Kontakt zu leiden und dass sie sich gerne wieder mit ihren Freunden treffen oder gemeinsam Sport machen würden.

Wobei wirklich jeder aussagte, dass sich aus der Situation nicht nur Negatives, sondern auch vieles Positive ergebe. Sehr viele sagten sie hätten die Natur für sich entdeckt. Die einen gehen öfter Spazieren, die anderen haben das Laufband gegen die echte Welt eingetauscht und einige gaben auch an, neue Hobbys wie Kochen, Joggen, das Lernen weiterer Sprachen, ja sogar das Bauen von Insektenhotels für sich entdeckt zu haben.

Einige erzählten auch davon wie sie Ihren selbstständigen Eltern durch die Krise, helfen und es gab sogar die einen oder anderen rührenden Geschichten, die davon berichteten wie Familienmitglieder wieder zueinander gefunden haben. Insgesamt fand ich es schön, dass die Studierenden ihre Ansichten so ehrlich geteilt haben und die Schlüsse, die sich daraus zum Thema asynchrones Lernen ziehen lassen, geben ggf. auch Anlass nicht nur über die Zukunft der Arbeit im Allgemeinen, sondern auch die Zukunft des Unterrichtens nachzudenken.

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